# 44 – Midlife-Crisis

19:23 Uhr, Funkauftrag nach Lehe

– Guten Abend

– Guten Abend, wohin darf es gehen?

– Zur Glocke bitte!

– Sehr gerne

– Darf Ich Sie mal was fragen? Sie sehen irgendwie nicht aus wie ein Taxifahrer?

– Wie sieht denn ein Taxifahrer aus?

– Naja, irgendwie einfacher. Ich will nicht beleidigend sein, aber das sind meistens
schwarze, südländer oder … naja einfache Leute halt

– Ach naja, das sind doch nur Klischees

– Und Studenten die taxifahren um das Studium zu finanzieren?

– Das ist auch ein Klischee. In Bremen gibts davon nicht viele. Weil man ja erstmal eine Ortskundeprüfung braucht, und dafür lernt man paar Wochen, einige brauchen Monate. Welcher Student hat da Lust drauf? Er kann doch direkt in einer Bar kellnern ohne Prüfung.

– Naja, aber trotzdem sehen Sie nicht aus, wie ein Taxifahrer! Was haben Sie vorher gemacht?

– Ich habe eine kaufmännische Ausbildung

– Und wie kommt man von einem warmen Büro aufs Taxi?

– Keine Ahnung, es hat sich einfach so ergeben. Sowas passiert halt im Leben, zudem
interessiert sich der Arbeitsmarkt nicht für mich oder ich könnte nur über Zeitarbeitsfirmen
eingestellt werden. Unterm Strich kann ich da auch genauso gut Taxifahren und bin damit
tatsächlich flexibler als in einem Bürojob. Und man fühlt sich wesentlich freier als
eingesperrt im Gebäude

– O, das verstehe ich sogar sehr gut. Ich war auch mal Bürohengst, das ist ein scheiß Leben. Irgendwann wurde ich dann Abteilungsleiter und so weiter! Aber ich habe das gehasst! Pünktlich um 8 Uhr hin und um 17 Uhr raus. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Neee…nicht mein Ding! Ich habe von heut auf morgen gekündigt, nach jahrelanger Betriebszugehörigkeit. Zack, einfach so! Meine Firma und meine Familie
hat mich für verrückt erklärt! Aber ich wollte mit 43 mein Leben komplett umkrempeln!

– Oh, das klingt nach Midlife-Crisis!

– HAHA, ja das haben die auch alle gesagt! Aber es war genau richtig gewesen! Denn im zuge meiner Krise hat sich rausgestellt, wer wirklich auf meiner Seite ist und wer nicht.
Und es hat sich rausgestellt, dass meine Frau es nicht ist und lieber mit unserem Nachbarn rumvögelt! Durch meine Krise habe ich viele interessante Einblicke erhalten und umso mehr gelernt. Jeder sollte mal im Leben so was durchmachen! Das ist quasi ein TÜV fürs eigene Leben. Alles auf den Prüfstand stellen und dann ganz klar sehen, was man ändern kann. Eine großartige Sache!

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2 Gedanken zu „# 44 – Midlife-Crisis

  1. Leider gibt es in Deutschland immer noch bei vielen Menschen die Meinung, dass man einen Job lernt oder studiert und dann 40 Jahre das Gleiche macht…

    Ich habe mit 22 meinen sicheren Beamtenjob gekündigt und mache nun seit 16 Jahren das, was mir wirklich Spaß bringt. Und das waren inzwischen viele Dinge.

    Dass man für sowas seine Komfortzone verlassen und auch viel „Scheiße fressen“ muss, sollte einem aber klar sein. Und genau daran scheitert es dann bei den vielen Unzufriedenen, die nur Jammern und warten, dass eine gute Fee vor der Tür steht und einem alles auf dem Tablett serviert 😉

    Übrigens: Toller Blog!

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