# 8 – Amsterdam

Funkauftrag nach Arsten. Ein junger Mann mit Gepäck steigt ein.

– Zum Flughafen bitte

– Kein Problem. Gehts in den Urlaub?

– Urlaub? Neee, es geht zur Arbeit.

– Sie pendeln mit dem Flugzeug zur Arbeit?

– Das hört sich jetzt extrem wichtigtuerisch an, aber ja: Jede Woche fliege ich
nach Amsterdam.

– Wirklich? Jede Woche?

– Ja, ich bleibe für 5-6 Tage und fliege dann zurück nach Bremen. Hier habe ich mein Wochenende und dann geht das Spiel wieder von vorne los.

– Was machen Sie denn in Amsterdam?

– Ich bin Koch in einem sehr exclusiven Restaurant, welches zu einer Hotelkette gehört. Und in dem Hotel schlafe ich dann auch.

– Und wer bezahlt das?

– In dem Hotel habe ich mein eigenes Zimmer, die Fahrt in Bremen mit dem Taxi, sowie den Flug zahlt auch das Hotel. In Amsterdam werde ich dann vom Hotel-Shuttle-Service abgeholt.

– Und warum pendeln Sie ständig? Warum nicht einfach auswandern?

– Auswandern nach Holland ist keine Option. Zum einem kenne ich deren Sprache nicht,
wir unterhalten uns alle auf englisch. Zum anderen ist die Stadt sehr teuer. Ich kenne da auch niemanden. Amsterdam ist eine tolle Stadt, aber: Ich bin schon immer Bremer gewesen, hier spielt sich alles ab. Freunde, Familie, Bekannte – Das alles für so nen blöden Job aufzugeben, das will ich nicht. Für kein Geld der Welt.

4 Gedanken zu „# 8 – Amsterdam

  1. Ich sehe das alles deutlich pessimistischer. Meiner Meinung nach wird es so sein, dass sich das Hotel über den für sie billigen Koch freut. Wahrscheinlich ist das Gehalt so niedrig angesetzt, dass es sich für sie trotz Zimmer, Flug und Taxi sehr gut lohnt, zumal z.B. die Kosten für den Flug dank Rahmenverträgen mit KLM gering sein dürften. Die Kammer im Hotel kostet sie sowieso kaum bis nix und das Taxi von Arsten bis zum Flughafen, das sind 5 km bzw. der Gegenwert einer Hand voll Briefmarken.

    Ich bin mir fast sicher, dass sie sich ins Fäustchen lachen, weil der Koch pro Monat einen Tausender billiger ist als ein Holländer.

    Und wie sagt er, die Wohnungen in Amsterdam seien zu teuer? Klar, weil er weniger verdient als Einheimische. Keiner kann mir erzählen, dass das Wohnen im Hotel direkt beim Arbeitgeber auf Dauer angenehm ist. Wenn es in der Küche kurzfristig etwas zu tun gibt, darf er innerhalb von 10 Minuten unten im Keller antanzen.

    Aber in dieser Situation muss man sich alles schönreden. Bremen möchte er nicht verlassen? Er kann es sich nicht leisten. Für Freunde bleibt nach seiner 60+-Stunden-Woche sowieso nicht mehr viel Kraft. Wahrscheinlich reicht die Kraft noch, um vor den Fernseher zu liegen und sich über Muttis Essen zu freuen.

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    • Ok, vielleicht keine so abwegige Ansicht. Und sicher lassen sich einige Dinge auch steuermindernd von AG-Seite absetzen.

      Und mit deiner Ansicht des Verdienstes könntest du vielleicht sogar richtig liegen. Wobei ich allerdings vermute, dass sich ein Koch in ähnlicher Position auch in Münchens Innenstadtlage nicht unbedingt eine Wohnung leisten kann.

      Aber meinerseits auch nur Vermutungen.

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  2. @ ednong & MZ – Beides Interessante Ansichten, die weiter nicht auseinander liegen könnten. Ich persönlich vermute, dass in dieser kapitalistischen Welt die Theorie von MZ nicht ganz abwegig ist. Aber vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

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