# 52 – Rollentausch

23:46 Uhr am Taxiplatz Roland-Center

Gerade als ich das Roland-Center ansteure, verlässt ein anderes Taxi den Platz. Ich bin somit an erster Stelle und sehe dass der jeweilige Kollege einen Funkauftrag bekommen hat

10 Minuten später, vermeldet der Bordcomputer „Taxi 123 / Fehlfahrt“ und ich werde
somit wieder auf den zweiten Warteplatz zurückgestuft. Das passiert automatisch, wenn ein Taxi dem System eine Fehltour meldet. Das passiert alle paar Tage mal und kann verschiedene Gründe haben: Ein Scherzanruf, eine nicht existierende Huasnummer, oder
der Name steht nicht auf der Klingel, oder der Fahrgast ist schon weg…

Eigentlich macht man sich als Taxifahrer keine Gedanken darüber – Fehltouren sind
halt ärgerlich und gehören zum Alltag dazu…

Einige Minuten später kehrt der Kollege zurück und stellt sich neben mich. Der
Kollege kommt wutentbrannt zu mir und sagt:

– Du wirst mir nicht glauben was passiert ist!

– Was denn?

– Die Bullen haben mir die Tour vermasselt!

– Haben sie dich angehalten?

– Ne, nix da! Ich sollte zur Shell-Tanke zum Huchtinger Bahnhof fahren. Und als ich
dort ankam, stand da ein Streifenwagen! Und daneben 2 Frauen. Ich stell mich da auch hin und frag, ob die das Taxi bestellt haben. Und jetzt halt dich fest: Da sagt der Bulle
zu mir, dass ich wieder fahren kann, und bietet den beiden an, sie umsonst zu fahren!
Und dann steigen die beiden Weiber steigen da in die Karre ein! Die waren anfang zwanzig! Kannste dir das vorstellen? Und ich steh da wie ein Idiot!

– Oje, das ist ja echt ne Nummer…

– Ist ja immer dasselbe, die haben ihre scheiß knarre und ne Uniform und schon können die jedes Weib aufreißen!

– Tja, wenn die Polizei jetzt Taxi spielt, wie sollen wir da gewinnen…

– Na, ich weiß wie! Hab da ne Idee!

– Und die wäre?

– Pass mal auf, brech du mal ins Roland-Center ein, ich verhafte dich und steck dich in die Taxe! Die nehmen mir den Fahrgast weg, dann schnapp ich mir den Einbrecher!

Werbeanzeigen

# 51 – Schatzi

21:26 Uhr, Taxiplatz „Am Brill“

An jenem Abend läuft das Geschäft katastrophal, ich warte bereits seit über 1 Stunde am Taxiplatz auf Fahrgäste. Nun naht die Erlösung: 2 bildhübsche junge Frauen steigen ein. Ich will gerade erleichtert aufatmen, dass ich endlich eine Tour habe, doch die Freude vergeht schnell, als Sie mir im gebrochenen deutsch das Fahrtziel nennen: Eine kleine Straße im vorderen Teil der Neustadt, was faktisch eine mickrige 5-6 Euro Tour bedeutet. Ich lasse mir nichts anmerken, verziehe keine Grimasse sondern nehme Kurs auf die Neustadt.

Nach wenigen Sekunden klingelt bei der einen das Telefon, sie geht ran:

– „ja, Schatzi? … Isch bin gleich da schatzi, dann kannst du ficken kommen. 20
Minuten okay?“

Kaum legt Sie auf, da klingelt bei der anderen das Telefon:

– „Hallo? … Oja schatzi, du kannst ficki ficki kommen … Du weißt wo? … Ja, isch freue
mich bis gleich“

Die zweite legt auf, da klingelt das Handy wieder bei der ersten:

– „Ja Schatzi? … Ja du kannst bis 1 Uhr kommen Schatzi … Anal isch machen auch schatzi, aber kostet extra“

Und in dem Moment klingelt erneut das Handy bei der zweiten:

– „Hallo? … Ja schatzi, isch habe so große Titten wie in der Anzeige…“

Und dann verstehe ich außer „Schatzi“ irgendwie kein Wort mehr, weil die beiden gleichzeitig telefonieren.

Die gesamte Taxifahrt dauert nicht mehr als 5 Minuten, aber die beiden Damen sind sehr geschäftstüchtig und professionell. Und wenn Ich mich nicht verzählt habe waren es 9 Anrufe.

Am Fahrtziel angekommen steht die Uhr bei 6,10 Euro, ich bekomme einen 10er.
Die beiden Damen gehen in das unauffällige Wohnhaus während ich etwas ungläubig hinterherschaue. Und wieder sind es Prostituierte, die meinen Horizont erweitert haben…

# 50 – Traumjob

Später Sonntag-Abend, Funkauftrag zu einer BSAG-Haltestelle. Eine junge Dame, ende zwanzig steigt ein. Sie fragt mich:

– Und konnten Sie den tollen Frühlingstag auch genießen oder mussten Sie fahren?

– Ich habe gearbeitet

– Und war gut?

– Ja, halb Bremen war unterwegs, Schlachte war proppevoll, entsprechend auch die Nachfrage nach Taxis.

– Das freut mich, für Sie!

– Danke…und waren Sie auch an der Schlachte?

– Nein, ich musste arbeiten

– An so einem schönen frühlingshaften Tag?

– Ja, leider…

– Wo arbeiten Sie denn?

– Ich bin selbstständig

– Und als selbstständige kann man sich nichtmal am Sonntag freinehmen?

– Naja, theoretisch könnte Ich das, aber mein Kunde hat darauf bestanden…

– Ein Kunde will sich an so einem schönen Tag mit Ihnen treffen? In welcher Branche sind Sie denn tätig?

– Ich bin Domina

– Oha, auch nicht schlecht 😀

– Och naja, ein Job wie jeder andere

– Naja, ich glaub nicht, dass das für jeden was wäre?

– Stimmt, ein bisschen natur-dominant muss man schon sein

– Und Spaß am Sex haben?

– Nein, ich habe keinen Sex mit dem Kunden

– Das heißt, der Kunde kommt zu Ihnen, gibt Ihnen Geld und lässt sich dann auspeitschen?

– Auspeitschen ist mit dabei, aber da gibt es noch weit mehr Möglichkeiten.
Je nach Vorliebe und Phantasie des Kunden. Schlagen, Spucken, in die Hoden treten,
verbale Erniedrigung, Stiefel lecken, Luftreduktion, kitzeln…

– Monent mal, Sie werden dafür bezahlt, dass sie einen Mann kitzeln?

– Ja, kommt auch mal vor…

– Klingt nach einem Traumjob 😉

# 49 – Wodka-Tampon

4:22 Uhr

Vier junge Frauen winken mich im „Viertel“ heran. Mein Erster Eindruck: Viel alkohol und viel Party… Also frage Ich:

– Und, viel gefeiert heute?

– Ja, aber alkoholfrei!

– Nichtmal ein Tropfen Alkohol hat unsere Lippen berührt!

– Ach wirklich? (frage Ich sarkastisch, weil man den Damen ansehen kann, dass sie einfach stark alkoholisiert waren)

– Ja wirklich, kein Scheiß! Wollen wir wetten?

– Ich werde nicht wetten, weil es doch offensichtlich ist…

– Jaja, du würdest eiskalt verlieren! Komm wir wetten um den Fahrpreis der Taxifahrt!

– Mädels, da braucht man doch kein Experte zu sein: Ihr habt glasige Augen, Ihr lallt schon, seit verdammt gut drauf und das alles ohne Alkohol?

– Das haben wir nicht gesagt, wir sagen nur, dass wir keinen Alkohol getrunken haben!
Aber wir haben sehr wohl Alkohol zu uns genommen!

– Hä???

– Wollen wir es dem Taxifahrer verraten? (fragt die eine in die runde)

– Von mir aus…

– Was verraten, ich platze vor neugier…

– Also gut! Das ist der Tampon-Trick!

– Tampon-Trick?

– Ja, noch nie was von gehört? Das nennt sich auch Wodka-Tampon oder auch Anal-Shot genannt 😀

– Was soll das denn bitte sein?

– Das ist echt einfach und billig. Man nimmt einfach nen Tampon, tränkt den in Wodka und
dann schiebt man sich das in die Fotze oder in den Arsch…

– … Aber wir werden jetzt nicht verraten, wo wir uns das reingeschoben haben… (schreit eine dazwischen)

– …jedenfalls, gelangt der Alk über die Schleimhäute viel schneller in die Blutbahn!
Somit hat man nen kompletten Vollrausch für 2 Euro, ist doch genial oder?

# 48 – Ohne Worte…

Funkauftrag zu einer Arztpraxis in Schwachhausen.

Eine Arzthelferin bringt eine alte Dame ins Taxi – sie ist blind.

Die Fahrt geht nur paar Straßen weit, es reicht nur für den üblichen Smalltalk übers Wetter und den Frühling. Am Ende steht der Fahrpreis bei 6,80 Euro. Die Dame tastet nach Ihrer Geldbörse, öffnet diese und fragt mich:

– Können Sie mir sagen, was das für ein Geldschein ist?

– Das ist ein 20ger

– Und das hier?

– Ein 50ger

– Hmmmm…und dieser hier?

– Ein 10er

– Dann gebe ich Ihnen den Zehner. Darf Ich Sie um was bitten?

– Natürlich

– Bitte betrügen Sie mich nicht und nehmen Sie nur den 10er

– Warum sollte Ich Sie denn betrügen?

– Ach naja wissen Sie, ich hatte letztens auch eine Taxifahrt und da hat er Fahrer auch gesagt, er nimmt den zehner und in wirklichkeit war es ein 20ger.

# 47 – Leere Wände

„Müde?“ frage ich die junge Dame auf der Rückbank, die ich eben von einem Bordell in der Neustadt aufgesammelt habe. Eigentlich wollte ich schon mein Taxi abstellen, als ich am frühen morgen noch diesen Funkauftrag reinbekommen habe. Und da sitzt sie nun und sieht ziemlich fertig aus. Sie antwortet: „Ja, verdammt müde. Aber es ist nichtmal das, was mich so fertig macht. Es sind die scheiß Kopfschmerzen seit über 12 Stunden….“

– Naja, ich habe hier noch Kopfschmerztabletten, ich kann gerne eine abgeben

– Gerne, aber wie heißt es doch so schön: Keine Süßigkeiten oder Tabletten von fremden Männern annehmen…

– Hm, ja, das stimmt auch wieder…

– Naja, sorry, ich will nicht so zickig sein. Du meinst es sicher nur gut. Aber du kannst dir denken, dass ich bei fremden Männern vorsichtig bin. Bei allen Männern, die wissen, was ich beruflich mache…

– Ist kein Problem, ich versteh das schon…

– Nein, nein keiner versteht das. Jeder der weiß, dass ich für Geld mit typen ficke, denkt sich: Hure. Das ist eine Schlampe. Und keiner respektiert Huren, oder?

– Naja, ich denke Ich respektiere jeden

– Neee, glaub mal, das macht keiner, denn schließlich bin ich nur ne dumme Hure! Und ne dumme Hure kann ja nichtmal sagen „ich hab migräne, ich will keinen sex“. Dieses Recht haben nur Ehefrauen und Freundinnen. Aber ne Hure, muss ficken, egal wie es Ihr geht. Ich bin nichts wert…

– Das sind harte Worte, ich denke das ist falsch…

– Ne ist es nicht, ich bin wertlos und das merke ich auch. Und weißt du warum ich das merke und was das schlimmste daran ist?

– Nein…?

– Das schlimmste ist das keiner für mich da ist. Ich fahre täglich nach Hause und das einzige Kostante in meinem Leben sind die vier leeren Wände…

# 46 – Einkaufsfahrt

20:13 Uhr, Funkauftrag in der Überseestadt.

Auf dem Display erscheint der Hinweis „Einkaufsfahrt“, gefolgt von einer Liste mit dem was eingekauft werden soll

Taxifahren ist nicht nur Menschen von A nach B bringen, sondern auch andere
Dienstleistungen wie Starthilfe geben, Schlüsselnotdienst, Tiertransporte und eben auch
Besorgungsfahrten.

Diese Besorgungsfahrt ist eine klassische Einkaufsfahrt – meine Einkaufsliste besteht aus 1 Flasche Whiskey sowie 2 Packungen Zigaretten. Der ganze Spaß kostet 24 Euro. Dazu kommt noch der Fahrpreis, der sich auf 10 Euro beläuft.

Nachdem ich diese Dinge besorge, begebe ich mich zu einem der Häuser an der Konsul-Smidt-Straße. Das sind jene mit direkten Weser-Blick, gehobener Ausstattung und Kaltmieten im 4-stelligen Bereich ab 3 Zimmern…

Ich betätige die Türklingel, ich warte … und nichts passiert. Genervt kehre ich zum Taxi zurück und melde, dass mir keiner öffnet. Ich werde gebeten noch etwas zu warten, die Zentrale probiert den Besteller zu kontaktieren. Nach 5 Minuten erhalte ich die Rückmeldung, es nochmal zu probieren.

Diesmal steht die Tür zum Treppenhaus offen, ich fahre mit dem Fahrstuhl in die 3. Etage, gehe zur Wohnung und klingel erneut. Und wieder wird nicht geöffnet. „Was zum Teufel…“ fluche ich und will gerade wieder gehen, als sich just in dem Moment die Tür einen Spalt öffnet.

Ein Mann im Bademantel öffnet mir und mustert mich mit herablassenden Blick. Dann nimmt er wortlos seinen Alkohol und Tabak entgegen und drückt mir gönnerhaft, wie einem kleinem Schuljungen sein Taschengeld, einen 10er sowie 20er Schein in die Hand. Anschließend macht er die Tür zu.

„Was für ein Wichser…“ denke ich mir und klingel erneut. Er öffnet und fragt scharf „Was noch?“ Ich antworte: „Wissen Sie, der Preis für Ihren Einkauf beträgt 24 Euro, sowie 10 Euro Fahrpreis. Es fehlen also noch 4 Euro. Und außerdem, möchte Ich Sie gern darauf hinweisen, dass wenn man etwas bestellt…

RUMMS, die Tür geht mit einem Knall zu. Nach wenigen Augenblicken öffnet er wieder, schmeißt mir einen 5er auf den Boden und schließt erneut die Tür.

Jetzt bin ich Stocksauer. Du arrogantes, neureiches Arschloch, mit deinem 1500 Euro-Miete-Loft, was du dir doch garantiert mit ehrlicher Arbeit nicht leisten kann. Oder vielleicht hast du geerbt oder reiche Eltern, die dir das einfach so schenken? Und jetzt schmeißt du großkotzig mit Euroscheinen umher und kannst dich nichtmal wie ein Mensch benehmen? Ich verzichte auf dein großzügiges Trinkgeld! Ich klingel erneut um Ihm sein Restgeld zu geben, von dieser Wurst werde ich garantiert und aus Prinzip kein Trinkgeld annehmen.

Er öffnet nicht mehr. Gerne würde ich sturmklingeln, aber ich bin dienstlich hier und nicht privat. Ich lege den Euro in seinen Briefkasten und fahre wieder.