# 46 – Einkaufsfahrt

20:13 Uhr, Funkauftrag in der Überseestadt.

Auf dem Display erscheint der Hinweis „Einkaufsfahrt“, gefolgt von einer Liste mit dem was eingekauft werden soll

Taxifahren ist nicht nur Menschen von A nach B bringen, sondern auch andere
Dienstleistungen wie Starthilfe geben, Schlüsselnotdienst, Tiertransporte und eben auch
Besorgungsfahrten.

Diese Besorgungsfahrt ist eine klassische Einkaufsfahrt – meine Einkaufsliste besteht aus 1 Flasche Whiskey sowie 2 Packungen Zigaretten. Der ganze Spaß kostet 24 Euro. Dazu kommt noch der Fahrpreis, der sich auf 10 Euro beläuft.

Nachdem ich diese Dinge besorge, begebe ich mich zu einem der Häuser an der Konsul-Smidt-Straße. Das sind jene mit direkten Weser-Blick, gehobener Ausstattung und Kaltmieten im 4-stelligen Bereich ab 3 Zimmern…

Ich betätige die Türklingel, ich warte … und nichts passiert. Genervt kehre ich zum Taxi zurück und melde, dass mir keiner öffnet. Ich werde gebeten noch etwas zu warten, die Zentrale probiert den Besteller zu kontaktieren. Nach 5 Minuten erhalte ich die Rückmeldung, es nochmal zu probieren.

Diesmal steht die Tür zum Treppenhaus offen, ich fahre mit dem Fahrstuhl in die 3. Etage, gehe zur Wohnung und klingel erneut. Und wieder wird nicht geöffnet. „Was zum Teufel…“ fluche ich und will gerade wieder gehen, als sich just in dem Moment die Tür einen Spalt öffnet.

Ein Mann im Bademantel öffnet mir und mustert mich mit herablassenden Blick. Dann nimmt er wortlos seinen Alkohol und Tabak entgegen und drückt mir gönnerhaft, wie einem kleinem Schuljungen sein Taschengeld, einen 10er sowie 20er Schein in die Hand. Anschließend macht er die Tür zu.

„Was für ein Wichser…“ denke ich mir und klingel erneut. Er öffnet und fragt scharf „Was noch?“ Ich antworte: „Wissen Sie, der Preis für Ihren Einkauf beträgt 24 Euro, sowie 10 Euro Fahrpreis. Es fehlen also noch 4 Euro. Und außerdem, möchte Ich Sie gern darauf hinweisen, dass wenn man etwas bestellt…

RUMMS, die Tür geht mit einem Knall zu. Nach wenigen Augenblicken öffnet er wieder, schmeißt mir einen 5er auf den Boden und schließt erneut die Tür.

Jetzt bin ich Stocksauer. Du arrogantes, neureiches Arschloch, mit deinem 1500 Euro-Miete-Loft, was du dir doch garantiert mit ehrlicher Arbeit nicht leisten kann. Oder vielleicht hast du geerbt oder reiche Eltern, die dir das einfach so schenken? Und jetzt schmeißt du großkotzig mit Euroscheinen umher und kannst dich nichtmal wie ein Mensch benehmen? Ich verzichte auf dein großzügiges Trinkgeld! Ich klingel erneut um Ihm sein Restgeld zu geben, von dieser Wurst werde ich garantiert und aus Prinzip kein Trinkgeld annehmen.

Er öffnet nicht mehr. Gerne würde ich sturmklingeln, aber ich bin dienstlich hier und nicht privat. Ich lege den Euro in seinen Briefkasten und fahre wieder.

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5 Gedanken zu „# 46 – Einkaufsfahrt

  1. Über die Leute die dort wohnen mache ich mir keinen Kopf. Ist halt ein besonderes Volk die hier in Walle die Mietpreise zerstören. Am besten war der Typ der sich gegenüber vom Großmarkt eine der teuren Wohnungen nimmt und sich dann in der Zeitung beschwert es wäre so laut dort….Ich wollte eigentlich meinen Mittelfinger kopieren und den als Antwort an die Zeitung schicken. Tja, am Großmarkt wird nachts gearbeitet und tagsüber parken dort die LKW mit ihren Kühlanlagen und sorgen dafür das auch die reichen Säcke frisches Obst und Gemüse bekommen. Mein Mitleid hält sich sehr stark in Grenzen.
    Leider wird so ein Schnösel dieses hier nicht lesen, ich wünsche ihm trotzdem viele schlaflose Nächte in seiner 1500€ Kaltmiete Butze!

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  2. Oh man, deine Wut kann ich echt gut verstehen, auch wenn der Typ es nicht annähernd wert sein dürfte… Das sind auch genau die Momente, in denen ich wieder genau weiß, warum ich mich für Einkaufsfahrten sperren lassen habe.

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      • Klar, zumindest hier in Bremen kann man sich aussuchen, nach welchen Kriterien man Touren bekommen möchte. Die ganz normalen Personenfahrten mit normalen Tarif bekommt man in jedem Fall, alles weitere (Frauennacht, Bote, Einkauf, Fahrrad, usw. usf. kann man sich im Vorfeld aussuchen).

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  3. Oha,
    ich glaub, das lohnt sich nicht, sich über solche Leute aufzuregen. Denn alles, was du denen sagst, prallt sowieso ab – schließlich nehmen Sie dich ja nicht ernst, denn du bist ja nur der „A*sch“, der die Besorgungen macht …

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