# 35 – Der letzte Wunsch

Eine ältere Dame steigt am Klinkum-Mitte bei mir ein. Die Fahrt verläuft gesprächslos an die Zieladresse und ich merke, dass irgendwas sie sehr bedrückt.

Vor Ihrer Haustür werden 12,40 Euro fällig, Sie kramt daraufhin eilig in Ihrer Handtasche.
Nervös sagt Sie:

– Es tut mir so leid, dass sie warten müssen, ich finde meine Geldtasche nicht

– Ganz ruhig, lassen Sie sich Zeit und schauen Sie in Ruhe nach

Nach einiger Zeit findet Sie die Geldbörse und verabschiedet sich. Bevor ich wieder losfahren will, sagt Sie noch mit Tränen in den Augen:

„Es tut mir leid. Wissen Sie, das ist alles zu viel für mich. Mein Mann liegt im Klinikum, die Ärzte sagen, dass er in 2-3 Tagen an seinem Krebs erliegen wird. Und dieser Idiot, wollte es die ganze Zeit nicht wahrhaben, er konnte das nicht glauben und hat es verdrängt. Er wollte, dass alles normal so weitergeht und das jeder so tut, als ob nichts sei. Und eben, ist bei Ihm der Groschen gefallen und möchte sich von seinen Kindern verabschieden. Wir haben 3 Kinder, die leben in Bayern, Dresden und in der Schweiz! Wie soll ich denn in so kurzer Zeit alle herholen? Warum fällt Ihm das erst jetzt ein, ich wollte das schon vor paar Wochen machen. Das ist doch unmöglich, ich würde Ihm so gerne diesen letzten Wunsch erfüllen, aber ich habe Angst, dass die Zeit nicht mehr reicht. Ich spüre es. Ich schaff das nicht. Und das macht mich schrecklich fertig.“

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