# 29 – Theorie und Praxis

Bei einer Großveranstaltung werden Taxen gebraucht – Das ist in Bremen ein paar mal im Jahr der Fall. Die Bremer Sixdays, eine 6-tägige Radrennsport-Veranstaltung mit viel Party drumherum, ist eins dieser großen Events im Jahr. Tausende Besucher aus ganz Deutschland kommen in die Hansestadt und die meisten davon brauchen danach ein Taxi.

Der Veranstalter weiß das auch, deswegen wird vor der ÖVB-Arena ein riesiger Taxistand aufgebaut, mit mehreren Einweisern, die für Ordnung sorgen. Diese Einweiser bilden dann „Taxi-Warte-Reihen“ die dann der Reihe nach vorfahren. Ich war natürlich mittendrin im Zirkus, so sieht das ganze dann aus:

Sixdays

Der Ablauf ist einfach: Die Taxen warten in Ihren Reihen, am Ende des Platzes kommt ein Trichter und die Taxen fahren einzeln, brav hintereinander, zum Haupteingang vor. Dafür sorgt dann der Einweiser – Soweit die Theorie.

Trichter

In der Praxis, sah es dann irgendwann so aus: Hunderte wartende Fahrgäste wollten nicht am Haupteingang warten, gingen auf diesen Taxiplatz und stiegen dann willkürlich in die Taxen ein. Das sorgte natürlich für Unmut und Tumult unter den Kollegen. Anschließend war Chaos angesagt: Die Wartereihen als solche gab es nicht mehr, jeder versuchte sich
nach vorne zu drängen, es galt das Dschungel-Gesetz „wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Die Einweiser gingen im Tumult gnadenlos unter, es gab Hupkonzerte, abruptes anfahren & bremsen sowie wüste Beschimpfungen und Bedrohungen unter den Taxifahrern. Ich für meinen Teil, wollte nicht am Chaos teilhaben und hab mich einfach stumpf daneben
hingestellt und sah dem höllischen Treiben zu.

Nach wenigen Minuten kamen dann drei Männer auf mich zu und fragten nach einer Fahrt nach Wilhelmshaven. Wilhelmshaven liegt 100km entfernt, quasi eine lukrative Fernfahrt.
Nach kurzen Verhandlungen ging es für 120 Euro dorthin.

Das ganze erinnert mich an ein afrikanisches Sprichwort: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

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