# 10 – Knastzirkus

Ein junger Mann, mitte zwanzig steigt am Hauptbahnhof ein.

– Fahr mich zum Knast!

– JVA Oslebshausen?

– Jo! Mein Freigang ist zu ende.

– Wie lange sitzt du schon ein?

– 1 Jahr oder so.

– Dann hast du was vom Promi-Besuch bei euch mitbekommen?

– Wie meinste das?

– Die RTL-Show…

– Aso, du meinst den Koch-Futzi? Das ganze ist schon paar Monate her

– Und wie wars?

– Hahaha, das war ein Zirkus! Und vor allem lächerlich! Dieser Kochtyp war die ganze
Zeit gut abgeschirmt, im Fernsehen haben die Ihn nur mit einem Wärter gezeigt, dabei
hatte der ständig Leute um sich herum. Der hatte da richtig schiss vor allem und jedem.
Aber im Fernsehen hat er da auf dicke Hose gemacht. Aber das beste war, dass er ja ständig auf „deinen besten Freund und Kumpel“ gemacht hat! Alles nur Show und verarsche, man hat dem richtig angesehen, dass er sich für was besseres hält und
er das nur für seine Show spielt! Alles falsches Spiel für die dummen Zuschauer!

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# 9 – Folgen Sie dem roten Wagen

Winker in der Pappelstraße. 2 junge Frauen steigen ein.

– Folgen Sie dem roten Wagen!

– Im Ernst jetzt?

– Haha, neee, aber das wollte ich schon immer mal im Taxi sagen!

# 8 – Amsterdam

Funkauftrag nach Arsten. Ein junger Mann mit Gepäck steigt ein.

– Zum Flughafen bitte

– Kein Problem. Gehts in den Urlaub?

– Urlaub? Neee, es geht zur Arbeit.

– Sie pendeln mit dem Flugzeug zur Arbeit?

– Das hört sich jetzt extrem wichtigtuerisch an, aber ja: Jede Woche fliege ich
nach Amsterdam.

– Wirklich? Jede Woche?

– Ja, ich bleibe für 5-6 Tage und fliege dann zurück nach Bremen. Hier habe ich mein Wochenende und dann geht das Spiel wieder von vorne los.

– Was machen Sie denn in Amsterdam?

– Ich bin Koch in einem sehr exclusiven Restaurant, welches zu einer Hotelkette gehört. Und in dem Hotel schlafe ich dann auch.

– Und wer bezahlt das?

– In dem Hotel habe ich mein eigenes Zimmer, die Fahrt in Bremen mit dem Taxi, sowie den Flug zahlt auch das Hotel. In Amsterdam werde ich dann vom Hotel-Shuttle-Service abgeholt.

– Und warum pendeln Sie ständig? Warum nicht einfach auswandern?

– Auswandern nach Holland ist keine Option. Zum einem kenne ich deren Sprache nicht,
wir unterhalten uns alle auf englisch. Zum anderen ist die Stadt sehr teuer. Ich kenne da auch niemanden. Amsterdam ist eine tolle Stadt, aber: Ich bin schon immer Bremer gewesen, hier spielt sich alles ab. Freunde, Familie, Bekannte – Das alles für so nen blöden Job aufzugeben, das will ich nicht. Für kein Geld der Welt.

# 7 – Unbestechlich

Funkauftrag nach Walle. Der Fahrgast, männlich, mitte vierzig, steigt ein und mustert mich.

Du bist neu!

Richtig…

– Ich fahre oft und kann mir Gesichter gut merken.

– Das freut mich, dann werden wir uns wohl öfters sehen. Wo darf es denn Heute
hingehen?

– Fahr mal in die Liegnitzstr, weißte wo die ist?

– Ja, kein Problem.

– Und wie fährt es sich so, machts spaß?

– Ich kann nicht klagen, ich lerne viele neue Dinge kennen

– Ach, blödsinn, du hast ja keine Ahnung. Das ist hier alles Abschaum und Müll.
Betrunkene Idioten, Diebe, Gauner, Betrüger, Zuhälter, Freier, Nutten. Für welches Bordell
fährst du?

– Wie meinen Sie das?

– Wenn ich jetzt in den Puff will, in welchen würdest du mich bringen?

– In gar keinen bestimmten, einfach in den nächstgelegenen, der mir einfällt und den ich schon kenne

– Völlig falsch, du Amateur! Es gibt hier einige die zahlen pro Freier gute Provision!

– Ja, na und? Das können die doch gerne machen, ich will damit nichts zu tun haben.

– Bist du bescheuert? Die geben dir Kohle für Lau, das ist geschenkt, du musst doch nur zugreifen!

– Das mag ja sein, aber das ist für mich eine Form von Bestechung, ich mache das nicht mit

– Pah, so naiv! Alle machen das…

– Wie Sie sehen, nicht jeder.

– O man, mit der Welt geht es zu schon echt zu ende, wenn es schon ehrliche, unbestechliche Taxifahrer gibt!

# 6 – Nachtfahrten

Dienstag, 23:28 Uhr

Am Taxiplatz Goetheplatz steigt ein Mann ein. Er trägt teure Designerklamotten und will nach Oberneuland. Die Zieladresse ist eine Straße mit teuren Villen, langen Einfahrten und umzäunten, gesicherten Grundstücken.

Nach einigen Minuten fragt er:

– Darf Ich Sie mal was fragen?

– Natürlich

– Sie fahren nur Nachts?

– Ja

– Wie ist das so?

– Wie meinen Sie das?

– Naja, ich meine Nachts arbeiten. Warum tut man sich das an? All das besoffene Pack und so…ist doch tagsüber bestimmt besser

– Nachts fährt es sich deutlich angenehmer und entspannter. Kein Verkehr, keine Stau, freie Fahrt, kein anstehen an roten Ampeln.

– Ja, aber was ist mit den Leuten?

– Ach wissen Sie, die Leute sind Nachts besser drauf. Nachts, lernt man die Stadt und die Einwohner richtig kennen. Die Menschen verhalten sich Nachts anders. Sie sind natürlicher, was auch für die Stadt gilt. Es ist alles realer als tagsüber. Tagsüber, sieht man die ganzen Leute mit Ihren Anzügen. Alle sind schick und elegant, man achtet auf äußerlichkeiten. Alle hetzen zum nächsten Termin und stehen unter Druck. Letztens stand ich mittags bei Lidl in in einer langen Wartereihe vor der Kasse. Als waren genervt, ungeduldig und zappelten herum. Als ich einige Tage später um 22 Uhr bei REWE stand, gab es eine ähnlich lange Schlange. Aber irgendwie war die Stimmung ausgelassener, die wildfremden Menschen lächelten sich sogar an. Ich weiß nicht, woher dieser Druck kommt, dass es tagsüber immer so schnell gehen muss. Außerdem ist vieles so oberflächlich und falsch. Man lügt sich an und verstellt sich. Und Nachts? Da ist jeder so, wie er ist. Die Leute sind entspannter und nehmen sich für alles viel mehr Zeit. Man lernt die Menschen von Ihrer echten Seite kennen. Und die echte Seite gefällt mir besser, als die Fassade am Tag. Die echte Seite kann auch manchmal häßlich sein, aber immerhin ist sie ehrlich und zeigt das wahre Ich.

# 5 – Sie wollen alle nur das eine…

Dienstag, 4:19 Uhr

Funkauftrag zu einer Gaststätte in Gröpelingen. 2 torkelnde Gestalten, eine Dame um die 60, ein Herr um die 50, setzen sich ins Taxi.

Er säuselt:

– Fahren wir zu dir, nimmste mich mit hoch?

– Jou Schatzi, alles was du willst. Aber sagma haste noch kohle für das taxi?

– Klar doch!

– OK, kutscher, fahr uns in die Kornstraße!

Unterwegs in die Neustadt, fingen die beiden an rumzuknutschen, was aufgrund des Alkoholpegels, mehr oder weniger gelang. Irgendwann gaben sie es auf und er sagte:

war nett dich kennengelernt zu haben. Aber sachma eben, wie heißte denn?

– Schatzi, das haste mich schon 4 mal gefragt, ich bin die Rosi!

– Ok, tschuldige, mit Namen hab ich das nicht so

– Macht nix, hab deinen auch vergassen…

– Bin der Peter!

– Peter ist super! Ich glaub mit nem peter hab ich noch nie was gehabt!

– Irgendwann ist immer das erste mal

Beide kichern, dann schweigen.

Wenige Minuten später, ankunft in der Kornstr.

Schatzi, bezahlste das jetzt? Ich muss mal, ich geh dann!

– Jaja, mach ich, ich komm sofort nach!

– Wie jetzt?

– Na, zu dir nach oben, haste doch eben gesagt!

– Neee, lass mal lieber. Tschüüüüss!

Rosi geht ins Haus, Peter schaut mich geknickt an und murmelt:

„Ach scheiße, das ist jetzt das 7. mal. So langsam glaub ich, die wollen alle nur meine Kohle!“

# 4 – Ich leg mich mal eben hin

Montag, 5:37 Uhr

Ich wollte das Taxi abstellen, als ich im Steintor, vor einem Pub einen Winker sah. Ein Mann, mitte 50, stieg an und säuselte:

– Nach Hause in Gröpelingen!

– Wo genau?

– Sag mir erst wie spät es ist!

– Öhm….5.37 Uhr, wieso?

– Ohhhh, scheiße. Das ist schlecht!

– Warum?

– Meine Frau geht gleich zur Arbeit!

– Und jetzt? Nach Hause oder nun nicht?

– Es ist alles verloren! Ist jetzt eh egal! Besser ist es, wenn Ich erst später komme, wenn die alte weg ist!

– Naja, wenn wir jetzt direkt nach Gröpelingen fahren, kommen wir da wohl gegen 6 an…

– Ne, das ist zu früh! Weißte was, fahr mal irgendwo hin. Liefer mich um 6.15 Uhr am schwarzen Weg ab. Ich leg mich mal eben hin! Nur nimm gerade Straßen, nix mit Kreisverkehr oder scharfen Kurven! Gute Nacht!